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Automation11. März 20265 Min.

KI und Automatisierung im Marketing: Welche Workflows zuerst Sinn machen

Welche Marketing- und Vertriebs-Workflows sich mit KI und Automatisierung zuerst lohnen und wo Teams besser mit klaren Regeln statt mit Tool-Hype starten.

OliverGründer & Creative Director
KI und Automatisierung im Marketing: Welche Workflows zuerst Sinn machen

Die Frage, die uns am häufigsten erreicht, lautet nicht „ob", sondern „womit anfangen". Das ist die richtige Frage — und die meisten Antworten darauf beginnen am falschen Ende: bei einem Werkzeug statt bei einem Ablauf, der heute Zeit frisst.

Dieser Text ist unsere Reihenfolge. Sie ist nach Verhältnis von Aufwand zu Wirkung sortiert, nicht nach dem, was gerade beeindruckend klingt.

Die Grundregel: Sprachmodelle vorbereiten, Regeln entscheiden

Bevor es um konkrete Workflows geht, eine Unterscheidung, die viel Ärger spart. Es gibt zwei Arten von Automatisierung, und sie eignen sich für unterschiedliche Aufgaben:

Regelbasiert — wenn A, dann B. Anfrage kommt rein, wird nach Postleitzahl zugeordnet, Aufgabe entsteht. Deterministisch, prüfbar, langweilig. Das ist der Teil, der geschäftskritische Abläufe tragen darf.

Modellbasiert — ein Sprachmodell verdichtet, sortiert vor, entwirft. Stark bei allem, was Text versteht oder erzeugt. Schwach überall dort, wo eine Antwort ungeprüft nach außen geht.

Die Kombination funktioniert: Das Modell bereitet vor, die Regel entscheidet, ein Mensch gibt frei, wo es nach außen geht. Wer das umdreht und ein Modell entscheiden lässt, baut ein System, das an einem Dienstag um drei Uhr nachts eine falsche Antwort an einen Kunden schickt.

Workflow 1: Anfragen vorsortieren und zuordnen

Der erste Hebel ist fast immer derselbe: die Strecke zwischen „Formular abgeschickt" und „jemand kümmert sich". In vielen Unternehmen landet jede Anfrage in einem gemeinsamen Postfach, und ab da hängt alles daran, wer zuerst hinschaut.

Was hier automatisiert gehört: Eingang ins CRM mit Quelle und Kampagnendaten, Zuordnung nach nachvollziehbaren Regeln — Region, Leistung, Größe —, Bestätigung an die anfragende Person, Aufgabe mit Frist im Team, Erinnerung, wenn nach 24 Stunden nichts passiert ist.

Ein Sprachmodell kann davor eine Vorklassifikation übernehmen: Ist das eine echte Anfrage, Spam oder eine Bewerbung? Worum geht es grob? Diese Einschätzung wird als Vorschlag ins CRM geschrieben, nicht als Entscheidung.

Aufwand: gering. Wirkung: Reaktionszeit sinkt von Tagen auf Stunden, und keine Anfrage geht mehr unter, weil jemand im Urlaub war.

Workflow 2: Wiederkehrende Antworten vorbereiten

Ein großer Teil der Kommunikation wiederholt sich: Terminbestätigungen, Nachfragen zu Unterlagen, Antworten auf die immer gleichen fünf Fragen. Hier lohnt sich ein Modell, das aus der Anfrage und euren Vorlagen einen Entwurf erzeugt.

Entscheidend ist das Wort Entwurf. Der Text landet im Postausgang mit einem Freigabe-Schritt, nicht direkt beim Kunden. Der Zeitgewinn liegt nicht darin, dass niemand mehr liest, sondern darin, dass niemand mehr von einer leeren Seite anfängt.

Workflow 3: Content-Produktion beschleunigen, nicht ersetzen

Der Bereich mit dem größten Hype und der schlechtesten Umsetzung. Vollautomatisch erzeugte Artikel sind an drei Merkmalen erkennbar: Sie sagen nichts, was nicht schon zwanzig andere sagen, sie enthalten keine einzige überprüfbare Angabe, und sie klingen wie alle anderen. Suchmaschinen und Leser erkennen das inzwischen zuverlässig.

Was sich lohnt: Recherche verdichten, Gliederungen vorschlagen, aus einem Gesprächsprotokoll einen ersten Entwurf machen, Varianten für Überschriften und Anzeigentexte erzeugen, lange Texte für verschiedene Formate kürzen. Der Kern — die eigene Erfahrung, die konkrete Zahl, die unbequeme Aussage — kommt von euch. Das Modell nimmt die Arbeit drum herum ab.

Workflow 4: Nachfassen nach Verhalten statt nach Kalender

Die meisten Nachfass-Automationen laufen nach Zeitplan: Tag 3, Tag 7, Tag 14. Das ist besser als nichts und schlechter als das, was möglich ist.

Sinnvoller sind Auslöser nach Verhalten: Jemand hat das Angebot geöffnet, aber nicht geantwortet. Jemand war dreimal auf der Preisseite. Jemand hat den Termin gebucht und dann storniert. Jeder dieser Momente verlangt eine andere Nachricht — und die kann vorbereitet und regelbasiert ausgelöst werden.

Voraussetzung ist ein Tracking, das diese Signale überhaupt sieht. Wie das aufgesetzt wird, steht in Analytics und Tracking richtig aufsetzen.

Workflow 5: Reporting, das sich selbst schreibt

Der wöchentliche Report, für den jemand Zahlen aus vier Tools in eine Tabelle kopiert, ist ein Kandidat für vollständige Automatisierung — regelbasiert, ohne Modell. Daten werden per Schnittstelle gezogen, in eine feste Struktur gebracht, an einem festen Termin verschickt.

Ein Modell kann darauf eine Zusammenfassung schreiben: Was hat sich verändert, was ist auffällig. Auch das ist ein Vorschlag, den jemand liest, bevor er in ein Meeting geht.

Was ihr nicht automatisieren solltet

  • Erstgespräche. Der Moment, in dem jemand entscheidet, ob er euch vertraut.
  • Antworten auf Beschwerden. Ein Modell entschuldigt sich in einer Weise, die die Sache schlimmer macht.
  • Alles, was rechtlich bindend ist. Angebote, Verträge, Fristen.
  • Prozesse, die noch nicht funktionieren. Eine Automatisierung macht einen schlechten Ablauf schneller, nicht besser.

Datenschutz ist keine Fußnote

Sobald personenbezogene Daten — und eine Anfrage ist eine — durch ein Sprachmodell laufen, ist das eine Verarbeitung, die im Verzeichnis stehen muss. Welcher Anbieter, wo gehostet, mit welchem Vertrag. Die Frage klären wir vor dem ersten Prototyp, nicht danach. In den meisten Fällen gibt es einen Anbieter mit EU-Verarbeitung, der dieselbe Aufgabe löst.

Die ehrliche Reihenfolge

Wer bei null anfängt: erst Workflow 1, dann 4, dann 5. Alle drei sind überwiegend regelbasiert, gut prüfbar und zeigen innerhalb von Wochen Wirkung. Modelle kommen dort dazu, wo Text verstanden oder entworfen werden muss — als Vorbereitung, nie als letzte Instanz.

Was in eurem Fall sinnvoll ist, klärt sich am schnellsten an eurem realen Ablauf. Schreibt uns, wo heute am meisten Zeit verloren geht. Wie wir dabei vorgehen, steht auf der Seite zu Automation & Systems.

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