Die meisten Relaunch-Anfragen, die uns erreichen, beginnen mit einem Satz über das Aussehen: Die Seite wirkt alt. Das ist selten der eigentliche Grund — und wenn es der einzige ist, raten wir oft von einem Relaunch ab.
Ein Relaunch lohnt sich, wenn das bestehende System zum Wachstumsproblem geworden ist. Dieser Text hilft dabei, das zu erkennen, den richtigen Umfang zu wählen und die Fehler zu vermeiden, die einen Relaunch teuer machen.
Woran man erkennt, dass das System bremst
Die Signale sind selten dramatisch. Sie sind Reibung im Alltag, an die sich alle gewöhnt haben:
- Jede neue Seite ist ein Sonderfall. Eine Landingpage für eine Kampagne braucht eine Woche und eine Person, die „das Template kennt".
- Inhalte werden doppelt gepflegt. Dieselbe Leistung steht auf drei Seiten, und wenn sich etwas ändert, wird eine vergessen.
- Die Seite ist langsam, und niemand weiß, warum. Plugins, Themes, Skripte aus drei Generationen von Verantwortlichen.
- Tracking ist Vermutung. Niemand kann sagen, welcher Kanal die letzten Anfragen erzeugt hat.
- Integrationen brechen bei jedem Update. Das Formular, das ins CRM schreibt, tut das seit dem letzten Plugin-Update nur noch manchmal.
- Das Team umgeht die Website. Angebote laufen über PDF, Inhalte über Social Media, weil die Seite zu mühsam ist.
Zwei davon sind Alltag. Vier davon sind ein Relaunch-Grund — unabhängig davon, wie die Seite aussieht.
Die drei Umfänge
Relaunch ist kein fester Begriff. Es gibt drei sinnvolle Größen, und die Wahl entscheidet über Budget und Risiko:
Redesign. Gleiche Struktur, gleiche Inhalte, gleiche URLs, neues Design. Sinnvoll, wenn das System trägt und nur die Oberfläche nicht mehr passt. Geringes SEO-Risiko, weil sich an Adressen und Inhalten nichts ändert.
Restrukturierung. Neue Seitenstruktur, überarbeitete Inhalte, teils neue URLs, auf dem bestehenden oder einem neuen System. Sinnvoll, wenn die Seite ihre Besucher nicht mehr dorthin führt, wo sie hinwollen. Mittleres Risiko — die Weiterleitungen müssen sitzen.
Neuaufbau. Neues System, neue Struktur, neue Inhalte. Sinnvoll, wenn das alte System selbst das Problem ist. Höchstes Risiko und höchster Nutzen — hier entscheidet die Migrationsplanung über Erfolg oder Rankingverlust.
Der häufigste Fehler ist, einen Neuaufbau zu machen, wo eine Restrukturierung gereicht hätte. Der zweithäufigste ist das Gegenteil: ein Redesign auf einem System, das in zwei Jahren wieder dieselben Probleme hat.
Was ein neues System können muss
Wenn es auf einen Neuaufbau hinausläuft, sind das die Anforderungen, die wir an das Zielsystem stellen — unabhängig vom konkreten Werkzeug:
- Serverseitig gerendertes HTML, damit Suchmaschinen und AI-Crawler die Seite ohne JavaScript vollständig sehen
- Ladezeit als Architektur, nicht als nachträgliche Optimierung — gemessen an dem, was Google aus echten Nutzerdaten sieht
- Inhalte, die einmal existieren und an mehreren Stellen ausgespielt werden, statt kopiert zu werden
- Seitentypen statt Einzelseiten, damit die zwanzigste Landingpage so schnell entsteht wie die erste
- Formulare mit sauberer Übergabe an CRM und Analytics, inklusive Quelle
- Mehrsprachigkeit von Anfang an mitgedacht, auch wenn die zweite Sprache erst später kommt
- Wartbarkeit — jemand, der nicht das ursprüngliche Team ist, kann weiterbauen
Welches Werkzeug das leistet, hängt vom Projekt ab. Für Marketing-Sites mit wenig strukturiertem Inhalt oft Framer, für content- und produktgetriebene Seiten meist Nuxt. Die Abwägung steht in Framer vs. Webflow und Von Framer zu Nuxt migrieren.
Der Fehler, der Relaunches ruiniert
Ein Relaunch ohne Migrationsplan verliert Sichtbarkeit. Nicht manchmal — fast immer. Die Ursache ist banal: Alte URLs verschwinden, neue entstehen, und niemand hat die Verbindung dokumentiert. Google sieht hunderte tote Adressen und eine neue Seite ohne Historie.
Der Plan ist unspektakulär: vollständiger Crawl der alten Seite vor dem Start, ein URL-Konzept, das so wenige Adressen wie möglich ändert, eine Weiterleitungsliste ohne Ketten, Sitemap neu einreichen, vier Wochen beobachten. Das kostet Tage und rettet Monate.
Der zweite Fehler: Inhalte am Ende
Design und Technik sind fertig, und dann fehlen die Texte. Der Launch verschiebt sich um Wochen, und was schließlich live geht, sind die alten Texte in neuem Layout.
Inhalte gehören an den Anfang. Wer was auf welcher Seite sagt, ist eine Strukturentscheidung, keine Fleißarbeit nach dem Design. Bei uns steht der Textrahmen vor dem ersten Entwurf — nicht als fertige Texte, aber als Aussage pro Seite.
Wie lange es dauert und was es kostet
Ein Redesign auf bestehendem System: vier bis sechs Wochen. Eine Restrukturierung: sechs bis zehn. Ein Neuaufbau mit Migration: acht bis vierzehn, je nach Umfang und Tempo der Rückmeldungen.
Beim Budget hängt alles am Umfang; die Größenordnungen stehen in Was kostet eine Website?. Was wir vor jedem Angebot machen: eine Bestandsaufnahme, die sagt, welcher der drei Umfänge der richtige ist. Manchmal ist das Ergebnis, dass ein Relaunch gerade nicht die beste Investition ist — dann sagen wir das.
Wann ihr noch warten solltet
Wenn die Seite schnell lädt, sauber konvertiert und das Team sie ohne Umwege pflegen kann, ist ein Relaunch zu früh. Dann bringen kleinere Schritte mehr: Conversion an den Stellen verbessern, an denen Menschen abspringen, Tracking sauber aufsetzen, die drei wichtigsten Seiten inhaltlich vertiefen.
Wer unsicher ist, in welcher Situation die eigene Seite steckt, schreibt uns kurz — eine Bestandsaufnahme ist der schnellste Weg zu einer belastbaren Antwort.


